Fisser Kinderblochziehen – Traditioneller Fasnachts- und Festtags-Umzug im Tiroler Serfaus-Fiss-Ladis

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Traditioneller Fasnachts- und Festtags-Umzug im Tiroler Serfaus-Fiss-Ladis

Fisser Kinderblochziehen am 24.01.2016

Das Hochplateau von Serfaus-Fiss-Ladis ist nicht nur wegen seiner exponierten Lage hoch über dem Inntal bekannt, sondern auch wegen seiner ganz besonderen Lieblichkeit. Wo sich im Sommer saftige Almen bis fast an die Gipfel schmiegen, schwingen sich im Winter glitzernde Pisten weit ins Tal hinab. Jetzt entfaltet die Tiroler Bergwelt aber noch eine andere, wilde, fast vergessene Seite: Zur Fasnachtszeit erwachen alte Traditionen und Legenden zu neuem Leben. Der Fisser Fasnachtsbrauch des Blochziehens hat von alters her überlieferte Traditionen bis heute am Leben gehalten und zählt wohl zu den originellsten Fasnachtsbräuchen im Alpenraum.

Diesen Winter sind die Kinder dran, ihren Mut beim „Fisser Kinderblochziehen“ am 24. Januar 2016 unter Beweis zu stellen und die bösen Geister des Winters zu vertreiben. Tradition, so weiß man in der Tiroler Region Serfaus-Fiss-Ladis, ist nicht das Bewahren der Asche, sondern das Weiterreichen der Flamme. Deswegen werden auch die Jüngsten in das Brauchtum integriert. Keine Frage, dass sie mit Begeisterung dabei sind und diese auf das Publikum übertragen. Die Tiroler Tradition stammt von den Frühjahrs- und Fruchtbarkeitsfesten der vorchristlichen Ahnen ab und wurde in die Liste des immateriellen Kulturerbes der UNESCO in Österreich aufgenommen.

Seinen Namen verdankt der Fisser Fasnachtsbrauch dem „Bloch“, einem 35 m langen Zirbenstamm. Er repräsentiert einen Pflug, der die Felder für die Aussaat aufbricht und damit den Frühlingsanfang einläutet. Der Bloch wird auf einem geschmückten Holzschlitten von Bauern, Handwerkern, „Mohrelen“ und „Bärentreibern“, die als Naturbändiger fungieren, durch das Dorf gezogen. Der so genannte „Schwoaftuifl“ (Schweifteufel) versucht, das hintere Ende des Stammes in die entgegengesetzte Richtung zu ziehen. Ihm sind alle Mittel recht, den Einzug des Frühlings aufzuhalten und das Publikum zu unterhalten. Unterstützt wird er von Hexen, die mit wildem Geschrei herumspringen und mit ihren Besen fuchteln. Sie sind die Verkörperung des harten Winters, der den Menschen in Serfaus-Fiss-Ladis bis vor gar nicht allzu langer Zeit noch gehörig zu schaffen machte.

Alle vier Jahre ist es dann soweit und die Kinder und Jugendlichen verkleiden sich als Zwerge, Bärentreiber und dunkelhäutige Mohrelen. Mit kunstvollen Kostümen und handgeschnitzten Masken ziehen sie als Festtagsumzug durch das Dorf, um dem langen Winter den Garaus zu machen. Wenn die Kinder des Hochplateaus beim diesjährigen Umzug den etwas kleineren Bloch durch das Dorf ziehen, werden sie vom Fuhrmann angeführt, der die Richtung und die Kommandos vorgibt. Eine der Hauptrollen hat auch der liebenswerte Bajatzl inne, er symbolisiert das Gute, Lustige und Heitere im Leben.

Im Allgemeinen haben Fasnachtsbräuche eine über Jahrhunderte gleichbleibende Dramaturgie. Die in historischen Masken und Kostümen handelnden Akteure, die den Widerstreit der Elemente in Form der Jahreszeiten darstellen, sind meist gleich. Das Blochziehen im Tiroler Dorf Fiss weicht von diesem Schema ab: Die Leitfigur ist jedes Mal eine andere. Stand im Jahr 2010 der „Bajatzl“, eine schelmische Figur, im Zentrum des Geschehens, so übernahm 2014 der „Miasmann“ die führende Rolle. Der Begriff bedeutet so viel wie „Moosmann“ oder „Wilder Mann“. Das Fisser Blochziehen der Erwachsenen findet ebenfalls nur alle vier Jahre statt.

Das nächste Blochziehen der Erwachsenen kann man am 28.01.2018 erleben, das Kinderblochziehen am 24.01.2016. Das eindrucksvolle Freiluft-Spektakel wird inmitten des Dorfkernes von Fiss im Tiroler Oberland zelebriert. Wenn die historische Kulisse des rätoromanischen Haufendorfes vom Kampf der Elemente erfüllt ist, rücken scheinbar auch die Ötztaler Alpen und die Samnaungruppe noch ein Stückchen näher und blicken gebannt vom Horizont aus zu.

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Fisser Kinderblochziehen - beim Kinderblochziehen in Fiss sind die jungen Teilnehmer die großen Akteure: Kunstvoll geschnitzte Holzmasken, Zwergelen, Hexen und Bären, monatelange Vorbereitungen und strahlende Augen können nur eines bedeuten: Jetzt ist in einigen alpenländischen Regionen wieder Fasnachtszeit. Alle Vier Jahre hat auf dem Tiroler Hochplateau Serfaus-Fiss-Ladis beim Fisser Kinderblochziehen der Nachwuchs das Zepter in der Hand.
Ursprünglich von den Erwachsenen alle vier Jahre mit großer Anteilnahme zelebriert, wird dieser Brauch bereits seit einem halben Jahrhundert auch von den Kindern im vierjährigen Rhythmus aufgegriffen – ganz nach dem Vorbild der Großen.

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